Dorfleben in Bankrut
Wir verbringen entspannte Tage am Strand, in Cafés, Restaurants, unternehmen kleine Ausflüge in die nähere Umgebung, spielen Boule, basteln Schmuck, besuchen Märkte und verbringen fast jeden Abend in der Gecko Bar.
Neue Bekanntschaften werden gemacht, Freundschaften vertieft, aber leider auch kontroverse Debatten geführt, die die Gemüter erhitzen. In einer Zeit, in der die Welt in ein neues Zeitalter versetzt wird, gibt es unterschiedliche Ansichten. Das ist normal. Betrüblich ist, dass sich manche Zeitgenossen so in den Vordergrund spielen möchten, aus Geltungsdrang, Narzissmus und Selbstüberschätzung, dass andere sich gezwungen fühlen, Kontakte abzubrechen.
Auf Dauer ist es schwierig mit vielen Leuten aus unterschiedlichen Milieus ständig zusammen zu sein. Abgrenzung ist nötig. Man muss nicht alle mögen oder von allen gemocht werden.
Friedrich und ich verbringen die Abende in der Geckobar meist an unterschiedlichen Tischen. Daher haben wir großen Redebedarf, wenn wir anschließend wieder zuhause eintreffen. Das führt zu immer längeren Nächten, bis alles ausdiskutiert ist und geht an die Substanz.
Der letzte Abend in der Geckobar verläuft harmonisch, in Eintracht und voller Dankbarkeit über die schöne Zeit, die wir gemeinsam erleben durften. Bald naht der Abschied, der von Vorfreude auf die nächste Saison geprägt ist. Auch für die Thais gilt: es ist schön, wenn Besuch da ist, aber genauso schön, wenn er wieder geht. In der low season ist man mehr unter sich, die verbleibenden farangs passen sich an und der Alltag der locals verläuft wieder in ruhigen Bahnen.
Auch wir freuen uns auf Bangkok, werden einerseits unser geliebtes Bankrut in einer Woche mit ein wenig Wehmut verlassen, andererseits lösen der Frühling, die Familie, die Freunde in der Heimat Vorfreude aus.
Ich schließe den Blog noch nicht, denn in einer Woche kann noch viel passieren, was einen Bericht wert wäre. Außerdem wird es einiges aus Pranburi (eine Nacht während der Rückreise) und Bangkok zu erzählen geben.
Da sich hier so vieles in der Geckobar abspielt, möchte ich diesen Beitrag mit der Beschreibung einer täglichen Begegnung beenden.
Es geht nicht um die Bar, sondern um Geckos. Schon in den ersten Tagen nach unserer Ankunft nisteten sich je ein Gecko in unseren Schlafzimmern ein. Sie beschlossen ihren künftigen Aufenthaltsort in den Klimaanlagen einzurichten. Wenn wir doch mal einen Abend zuhause verbringen und das Licht auf der Terrasse angeht, finden sich in kurzer Zeit mindestens ein halbes dutzend von den geselligen Tierchen mit Drachenkopf an der Decke und Hauswand ein. Kopfüber kriechen und klettern sie flink umher, um sich die Insektenbeute gegenseitig streitig zu machen.
Ihr natürliches Habitat befindet sich in freier Natur. Nur unsere Schlafzimmergeckos scheinen sich in der Klimaanlage wohler zu fühlen. Bei aller Toleranz, die Viecher hinterlassen ihre Spur der Verdauung im ganzen Haus. Als wir feststellen, dass Familiengründung stattgefunden hat, wollen wir sie endgültig loswerden. Ein aussichtsloses Unternehmen. Die Minigeckos passen durch jede Ritze und sind bereits genauso schnell, wie ihre Eltern. Diverse Versuche, sie mit dem Besen zu jagen enden erfolglos. Wie ein Blitz verschwinden sie unter dem Sofa, unter dem Kühlschrank oder in den Falten der Vorhänge.
Bevor sie dauerhaft den Kleiderschrank für sich entdecken und unsere Klamotten voll kacken, unterlassen wir lieber weitere Jagdversuche und leben fortan einträchtig zusammen.
Inzwischen scheint mein Gecko zu wissen, dass ich spätestens um halb acht auf mein Fahrrad steigen muss, um meine tägliche Runde zu drehen. Später wird es zu heiß. Pünktlich um viertel nach sieben fängt er so laut an seine schnatternden Rufe "geck geck geck" von sich zu geben, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Schläfrig ziehe ich mich an, setze meine Kappe auf und schaue noch einmal zurück zur Klimaanlage. Da lugt der kleine Racker hervor. Ich sehe nur den Kopf mit den großen Knopfaugen, die mir nachschauen. Jetzt bewegt er sogar das Maul, als wollte er sagen: " Sei doch mal dankbar, dass du mich hast, sonst würdest du den ganzen Tag verpennen".

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